Jan Vermeyen - Betender Mönch mit Brille bei der Landung in Tunis
Vermeyen malte mit Kohle auf Kartons und füllte sie mit Wasserfarben. Die für den Maler wesentlichsten Bildteile zog er mit kräftigen Linien nach. Der Betrachter der Kartonagen gewinnt den Eindruck, dass alle Personen Linkshänder wären. Dies ist so zu erklären, dass Vermeyen sein Werk spiegelverkehrt malte, da die Weber an der Rückseite der entstehenden Tapisserie arbeiteten und somit die Wandteppiche wieder eine naturgetreue Abbildung aufwiesen. Von diesen beeindruckenden Kartonagen sind noch zehn Stück erhalten und können im zweiten Stock des Wiener Kunsthistorischen Museum besichtigt werden.
Noch vor Fertigstellung der kompletten Kartonserie wurde von den damals besten Webern begonnen eine monumentale Tapisserienserie anzufertigen. Den Auftrag zu dem Mammutprojekt erhielt der Brüsseler „tapissier de sa majesté“ Willem de Pannemaker, Besitzer der wohl bedeutendsten Teppich-Manufaktur der damaligen Zeit. Die Order zur Anfertigung erteilte wieder Maria von Ungarn. Der 1548 geschlossene Vertrag regelte die Fertigung bis in die Einzelheiten. An jedem der zwölf Bildteppiche hatten „täglich und unaufhörlich“ gleichzeitig sieben Weber zu arbeiten, um eine „schnellstmögliche und qualitätvollste“ Fertigstellung zu gewährleisten. Dies ist insofern bemerkenswert, da die zwölf Riesenteppiche in nur sechs Jahren hergestellt wurden! Pro Elle gewebter Tapisserie durften bis zu sieben Pfund Gold- und Silbermetallfäden verwendet werden. Um die Strahlkraft des Edelmetalls nicht durch die direkt benachbarte stumpfe Wolle zu schwächen, wurden im Übergang von Gold- und Silberflächen Gewebe aus feinster Lyoner Wolle mit Metallfäden umwickelte Seidenfäden eingewebt. Zur Verarbeitung kamen nur die besten Seidenfäden aus Granada. Der Vertrag regelte sogar deren Einfärbung in 19 verschiedenen Farben mit jeweils drei bis sieben Tonstufen. Pannemaker's Wandteppiche sind heute im Patrimonio Nacional in Madrid zu bewundern. Betender Mönch mit BrilleVermeyen malte das turbulente Kriegsgeschehen in vielen Details. Um alle 10 Kartons gebührlich zu bewundern muss man sich schon ordentlich Zeit nehmen. Auf dem Karton Nr. 3 findet sich eine Darstellung von der 3. Landung am Kap von Karthago. Eine ganze Flotte liegt an der Küste vor Anker. Karl V. bricht mit einigen Begleitern auf um Goleta und das Terrain der Umgebung zu erkunden. Nach positiver Erkundigung am 16. Juni 1535 beginnt die Ausschiffung der Landstreitkräfte nebst Gefolgsleute.
Am hier abgebildeten Schiffstyp ist ein Rammsporn am Bug besonders gut erkennbar. Im abgelassenen Boot bereitet sich das Trossvolk mit Mönchen, Proviantmeister und Marketenderin auf das Übersetzen vor. Während die Marketenderin das Einladen der Trommel beobachtet sind die beiden Mönche im Gebet vertieft.
Zwei Mönche im Gebet vertieft – der Ältere blickt durch eine Bügelbrille Als eines der vielen Details haben wir am Karton Nr. 3 eine hervorragend gut erkennbare Bügelbrille entdeckt. Deutlich ist die fixe Verbindung der beiden Glasringe ohne Niet erkennbar. Die stabile Brille konnte schon ganz gut auf der Nase balanciert werden. Der Mönch hatte eindeutig beide Hände beim Lesen des Gebetbuches frei. In einem schaukelnden Beiboot war unser Mönch trotzdem ganz schön mutig seine kostbare und teure Lesehilfe nicht am Glasrand zu halten. Wäre die Brille über Bord gegangen, so hätte er zurück in der Heimat wohl viele Monate auf eine neue Brille warten müssen. Für einen alterssichtigen, gelehrten Mönch ein furchtbares Szenario. Das linke Brillenglas weist einen Fleck auf. Bewertet man den Rest der gut erhaltenen Karton kann man zur Ansicht kommen, dass Vermeyen sogar den Lichtreflex am Brillenglas beobachtete und am Karton ausführte. Jan Cornelisz Vermeyen - kleine BiographieJan Cornelisz Vermeyen wurde irgendwann zwischen 1495 und 1500 in Beverwijck, einem kleinen holländischen Dorf unweit von Haarlem geboren. Man nimmt an, dass der junge Vermeyen bei Jan Gossaert, einem vielseitigen Maler in die Lehre ging. Im Jahr 1528 trat Vermeyen in den Dienst des österreichischen Königshauses ein und malte in Folge an den verschiedensten habsburgischen Höfen. Bereits an viele Reisen gewohnt wurde er 1534 von Kaiser Karl V. als Hofmaler nach Spanien berufen. Der Kaiser nahm Vermeyen oftmals auf Reisen mit – unter anderem auch zum Felszug gegen die Türken in Tunis. Dort fertigte Vermeyen eine Unmenge an bisher verschollene Kohleskizzen zur Vorlage für die Kartons an. 1536 erhielt der holländische Maler das Privileg Portraits von hochrangigsten Persönlichkeiten in Form von Stichen zu verarbeiten. Im Jahr 1546 erhielt Vermeyen endlich den Auftrag die Kartons für eine Tapisserienfolge anzufertigen. Vier Jahre später hatte der Künstler den Auftrag erfolgreich beendet. Vermeyen wurde für seine Zeit wohl recht alt und verstarb als etwa Sechzigjähriger im Jahr 1559 in Brüssel. Literatur: Optiker Online!
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