§ 388
Was das Licht ist?
  Die erste Frage, die wir untersuchen wollen, ist nach meiner Meynung einer vollkommenen Auflösung nicht fähig. Die äußerste Feinheit der Lichttheilchen entziehet sie den Untersuchungen, die wir machen könnten, und ich schicke diese Frage nur voraus, um die Ungereimtheit derer, die das Licht als ein Wesen ansehen, welches von der Materie und dem Geiste verschieden ist, und welches zwischen beyden das Mittel halten musz, vor Augen zu legen (a).
  Dieser Einfall, welcher seinen Ursprung in der auszerordentlichen Feinheit der Lichtstrahlen zu verdanken hat, wird durch die Wirkungen, welche diese Strahlen, wenn man sie sammlet, auf Körper hervorbringen, die man ihrer Wirkung überlasset, sehr vollkommen widerlegt. Als Herr Homberg einen Sonnenstrahl auf eine stählerne Feder, die er mit einem ihrer Enden an ein Stück Holz befestigt, richtete, wurde diese Feder in eine zitternde Bewegung gesetzt (b). Jedermann weisz, daß ein Büschel, die festesten Körper verbrennet und die härtesten Metalle schmelzet.
  Die Wirksamkeit dieses flüszigen Körpers, und eine so deutliche Wirkung auf Körper, die so widerstehend als die Metalle sind, ist der vollkommenste Beweis, daß Licht als ein wahrer Körper angesehen werden müsse. Allein, wo kommt das Flüszige her? Diesz ist ein Frage, die nicht so leicht aufzulösen ist.

(a) Hierne Acta chem. C.5.p.28.
(b) Hist. de l'Acad. des Sciences, 1708 



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