§389
Woher es kommt. Epikurs und Cartesii Meynung.
  Obgleich die Schule des Epikurs (20) voller Irrthümer und Ungereimtheiten war, so sehen wir doch, daß es dieser Weltweise gewesen ist, der zuerst den Ursprung des Lichtes entdeckte, ungeachtet der Beweis, worauf er seine Meynung gründet, nicht bündig ist. Eben so, sagt er, wie der Geruch, der in dem riechenden Körper bemerkt wird, ein Ausfluß dieses Körpers ist, eben so besteht das Licht in einem Ausflusse des eigenen Wesens des leuchtenden Körpers. Diese Meynung wurde von den berühmtesten Naturkündigern des Alterthums (a) und von denen, die das System der Epikurs wieder auf die Bahn brachten (b), angenommen.
  Cartesius (21) bestritt diese Meynung zuerst, und sahe das Licht als ein Wesen an, das von dem Wesen des leuchtenden Körpers unterschiedlich ist (c). Nach seiner Vorstellung (d) ist das Licht ein unermeszliches Fluidum, dessen auszerordentlich kleine und in Gestalt kleiner Kügelgen gerundete Theile, gleichförmig und ohne Unterbrechung die ganze Sphäre unserer Welt erfüllen. Die Sonne, die den Mittelpunkt derselben einnimmt, die Fixsterne, die gleichsam die Kränzen derselben sind, und alle die Körper, die sich auf der Erde und an andern Orten entzünden, beleben diese Materie durch eine Bewegung, die sie nicht von einem Orte in den andern bringet, sondern sie durch eine Art von Zittern, welches einigermaszen dem ähnlich ist, das der Schall in der Luft machet, beweget, so, dasz der Stern, oder der Mittelpunkt einer leuchtenden Sphäre wird, beynahe so wie eine Glocke, oder jeder anderer klingender Körper, den man in Wirkung setzet, von weiten, und auf allen Seiten herum die Luftmasze, in deren Mitte er sich befindet, erschallend machet.

(a)Epikur, Demokrit, Zeno.
(b)Gassendi, Bernier.
(c)Diopt. C. I. §. 3. Epist. 17.
(d)Nollet, Lecons de Phys. T. V. p. 7.


HOME: Anweisung zur Experimentalphysik (anno 1780)

Zum Inhaltsverzeichnis des virtuellen Museums der Augenoptik

Zur Geschichte der Brille

Home


Optiker Online

Tel. (+43) 0664 4320150
 email:webmaster@optiker.at
 
Copyright 1998 Harald Belyus