§390
Widerlegung der Meynung Cartesii.
Wenn man die Meynung des Cartesii (21),
nebst den Einschränkungen selbst, die seine Anhänger hinzugefügt
haben, die aber im Grunde dieser Hypothese nichts benehmen, annehmen wollte,
so würde daraus folgen: 1.) dasz wir niemals mit Finsternis umgeben
seyn würden. Denn der Druck, welcher gegen einen von den Theilen eines
flüszigen Körpers, der in einem Raume, woraus er nicht entwischen
kann, eingeschlossen ist, wirket, breitet sich gleichförmig auf allen
Seiten aus. Obgleich die Sonne, wenn sie sich auf der uns gegenüber
stehenden Halbkugel befindet, die Lichtmaterie unserer Halbkugel nicht
direkte belebt, so empfängt sie doch durch ihre Verbindung mit der
Lichtmaterie, die zu der anderen Halbkugel gehört, eben denselben
Eindruck. 2.) Es würde auch folgen, dasz wir niemals einen Schatten
auf der Seite und hinter den Körpern, die in der Sonne stehen, aus
der eben angeführten Ursache, zu sehen bekämen, welches offenbar
der Erfahrung widerspricht.
Man kann sich also nicht weigern, zu glauben,
dasz das Licht unmittelbar aus dem eigenen Wesen der Sonne und der leuchtenden
Körper, die in dem unermeßlichen Umfange des Himmels glänzen,
seinen Ausfluß habe. Ich läugne nicht, dasz diese Meynung vielen
Schwierigkeiten, die man nicht so leicht beantworten kann, unterworfen
ist. Allein sie hat doch nichts Ungereimtes an sich.
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