§396
Beweis durch einen Versuch.
Wenn man hier nur die Strahlen, die aus einem
einzigen Strahlenpunkte ausgehen, und die folglich divergent sind, betrachtet,
so machen sie einen pyramiden= oder kegelförmigen Lichtbüschel,
dessen Spitze oder Gipfel der Strahlenpunkt ist, und dessen Basis gegen
das Auge des Zuschauers zugekehret ist.
Um dieses auf eine deutliche Art vorzustellen,
so setze man an einem Fensterladen die (Fig. 99.)
vorgestellte Maschine, die aus einem flachen metallenen Spiegel AB besteht,
welcher mit einem Gewinde an einer Fläche C befestigt ist, die sich
zirkelförmig um das Brett FG bewegt, welches an einer an dem Fensterladen
gemachten bequemen Oeffnung befestigt ist. Der Spiegel AB kann vermittelst
des Zapfens DE verschiedene Grade der Neigung erhalten. An der Fläche
C ist eine Röhre HI angebracht, in welche ein linsenförmiges
Glas K, welches 18 bis 20 Linien im Brennpunkte hat, gesteckt wird. In
L, welches der Brennpunkt des linsenförmigen Glases ist, wird ein
Diaphragma (3) angebracht, dessen Oeffnung nicht über
zwo Linien im Durchmesser hat.
Wenn diese Maschine an den Laden eines Fensters
in einem Zimmer, welches so viel als möglich finster gemacht ist,
befestigt worden, und man richtet den Spiegel so, dasz das Sonnenlicht
in die Röhre HI zurückstrahlet, um auf die Linse K zu fallen,
so werden die Strahlen, die durch diese Linie gehen, sich in dem Brenpunkte
vereinigen, und daselbst einen Strahlenpunkt machen, der über das
Diaphragma (3) eine ungeheure Menge von divergierenden
Strahlen schiessen wird, die einen Lichtkegel machen werden, dessen Grundfläche
gegen den Zuschauer gerichtet seyn wird.
Um diesen Lichtkegel und seine Lage zu beweisen
musz man in einiger Entfernung von dem Diaphragma (3)
eine vertikale Fläche, die in Ihrer Mitte ein Loch von 5 bis 6 Linien
im Durchmesser hat, setzen, und in einiger Entfernung von diesem Loche
eine andere weiße vertikale Fläche, oder einen mit einem Schleyer
versehenen Rahm (1) stellen, damit man dasjenige, was
auf dieser Fläche vorgehet, von hinten sehen könne. Man wird
alsdenn einen Lichtzirkel bemerken, dessen Durchmesser gröszer seyn
wird, als der Durchmesser des auf der ersten Fläche gemachten Loches,
und welcher sich vergrößern wird, so wie man die letztere Fläche
von der ersten entfernt.
Wenn dieser auf dem Schleyer gezeichnete leuchtende
Zirkel größer ist, als das Loch, welches den Lichtstrahlen,
die aus dem Strahlenpunkte kommen, den Durchgang giebt, und wenn dieser
Zirkel gröszer wird, je weiter der Rahm (1) von
der ersten Fläche entfernet ist, so ist diesz ein unwidersprechlicher
Beweis, dasz man diesen Zirkel als die Grundfläche eines Kegels ansehen
muß, dessen Gipfel ein Strahlenpunkt ist, und dasz folglich die Lichtstrahlen,
die aus einem solchen Punkte herkommen, einen Kegel machen, dessen Grundfläche
gegen das Auge des Zuschauers zugekehret ist.
Um diesen Versuch auf eine Art, die bequemer ins
Werk zu setzen ist, zu machen, bediene ich mich einer Art von Tafel AB
(Fig. 100.), deren Tafel, die eine Rinne a b in
ihrer Länge hat, und die auf einer von ihren Seiten in Zolle und halbe
Zolle abgetheilet ist, in zwo hohlen Rinnen an den Füßen CD,
EF, die mit einem Querholze GH verbunden sind, auf und niedergeht. Diese
Tafel wird in einer bequemen Höhe vermittelt zwo Druckschrauben c,
d befestigt. Ich lasse längst in der an der Tafel gemachten Rinne
hin, die eben gedachten Flächen laufen, und befestige sie in einer
beliebigen Entfernung mit einer Schraubenmutter E (Fig.
101.), die unter der Tafel einen Schraubenschwanz V, den jede von diesen
Flächen hat, geschraubet wird.
Man kann auch statt der ersten Fläche, wovon
wir bey dem vorhergehenden Versuche Gebrauch gemacht haben, eine andere
verticale Fläche nehemen, die viele Löcher von ungefähr
vier Linien im Durchmesser hat, die wenig voneinander entfern sind. Wenn
man alsdenn eben diesen Versuch wiederholet, so wird man statt eines leuchtenden
Zirkels, den man auf dem Schleyer (2) bemerkt hat, eine
Anzahl von Zirkeln gewahr werden, die der Anzahl der auf der ersten Fläche
gemachten Löcher gleich seyn wird. Alle diese Zirkel werden größer
werden, so wie man den Rahm (1) entfernet, und keiner
wird sich mit dem, der an ihn gränzet, verwirren. Denn ihre Mittelpunkte
werden sich von einander entfernen, so wie diese Zirkel sich vergrößern
werden. (a)
(a) Nollet, Lecons de Phys. T. V. p.
68
HOME: Anweisung zur Experimentalphysik (anno 1780)
Zum Inhaltsverzeichnis
des virtuellen Museums der Augenoptik
Zur
Geschichte der Brille
Optiker Online
(+43)
0664 4320150
webmaster@optiker.at
Copyright 1998 Harald Belyus