§405
Erfindung der Ferngläser.
  Man bediente sich anfänglich zweyer Gläser, wovon das eine convexer war, und einen Theil einer groszen Kugel ausmachte, und das andere concav war, und einen Theil einer kleinen Kugel ausmachte, um die Gegenstände, die sehr entfernt waren, zu sehen. Man steckte diese beyden Gläser an die Enden einer Röhre von einer gehörigen Länge, und gab diesem Werkzeuge, dasz wir jetzt ein Fernglas nennen, den Namen des holländischen Telescops (9), weil es zu Middleburg in Seeland von Zacharias Janze und Johann Lipperhoy (d) erfunden worden. Andere (e) schreiben diese Ehre dem Roger Baco (25), einige dem Galiläo (28), und noch einigen andern, zu; und man kann vernünftiger Weise nicht entscheiden, wem wir diese glückliche Erfindung zu verdanken haben. Es war mit diesem Werkzeuge, wie mit allen andern neuen Erfindungen beschaffen. Es war in seinem Ursprunge sehr unvollkommen, und Kepler (f) machte es erst vollkommen.
  Eine Entdeckung giebt oft zu einer andern Gelegenheit. Das holländische Telescop brachte dasjenige hervor, welches wir das astronomische nennen, welches weiter nichts, als ein Fernglas ist, das aus zwey convexen Gläsern besteht, und dieses wurde von Campani und Hughens zu seiner Vollkommenheit gebracht (27).
  Als man die Einrichtung der Ferngläser mit zwey Gläsern überdachte, fand man ein Mittel, einem wesentlichen Mangel abzuhelfen, der aus ihrer Einrichtung nothwendig folgte, und darinnen bestand, dasz sie die Gegenstände verkehrt vorstellen. Man half diesem Fehler ab, indem man zu diesen Arten von Fernröhren vier Gläser nahm (10). Diese vier Gläser sind 1.) ein erhabenes Glas, welches an eines von den Enden des Rohres gesteckt wird, und welches einen Theil einer sehr großen Kugel ausmachet. Man giebt diesem Glase den Namen des Objektivglases, weil es nach der Seite des Gegenstandes gerichtet wird, den man betrachten will. Die drey anderen, die sich auf der Seite des Auges befinden, werden Augengläser genannt. Sie machen gewöhnlich einen Theil einer sehr kleinen Kugel aus, wodurch der optische Winkel, unter welchem die äuszern Gegenstände sich in dem Innersten des Auges mahlen, beträchtlich vermehret wird. Allein je gröszer die Gegenstände in ihrem Umfange erscheinen, desto dunkler und undeutlicher werden sie.
  Die Lichtstrahlen, welche aus allen Punkten der Oberfläche des Gegenstandes ausgehen, und, indem sie sich kreuzen, durch das Objektivglas dringen, brechen sich bey diesem Durchgange, und mahlen in dem Brennpunkte dieses Glases das Bild des Gegenstandes, aber in einer umgekehrten Stellung; so dasz wenn das Auge des Beobachters sich hinter einem andern Linsenglase befände, welches wir das erste Augenglas nennen, und welches von diesem Bilde eben so weit entfernt seyn muß, als der Radius der Kugel, wovon er einen Theil ausmachet, lang ist, es diesen Gegenstand verkehrt sehen würde. Wenn man aber ein zweytes Augenglas hinter das erste so steckt, dasz ihre Entfernung der Summe ihrer Brennpunkte gleich ist, so werden die Strahlen, indem sie sich zwischen dem ersten und zweyten Augenglase nochmals kreuzen, in dem Brennpunkte des zweyten, das ist, zwischen dem zweyten und dritten, ein zweytes Bild von dem Gegenstande mahlen, welches aber alsdenn in seiner natürlichen Stellung seyn wird, so dasz das Auge des Beobachters, welches hinter dem dritten Augenglase ist, diesen Gegenstand auf eben die Art sehen wird, als wenn es selbigen mit bloßen Augen ansähe.
  Diesz ist die Einrichtung und die Wirkung der Teleskope mit vier Gläsern, wovon man bisher Gebrauch gemacht hat. Allein seit einigen Jahren hat es der berühmte Dolland (29), der den Entdeckungen eines Newton, Eulers und Klingenstierna nachgegangen ist, so weit gebracht, dasz er einem Theile dieser Arten von Ferngläsern abgeholfen; dasz ist die Abweichung der Refrangibilität (6) verbessert, und ihnen den Regenbogen und die Farben, welche die Gegenstände umgeben und vorstellen, genommen hat. Er hat diesen Grad der Vollkommenheit dadurch erreicht, dasz er das Objektivglas dieses neuen Telescops, welches man das achromatische (11) nennet, aus zwey Gläsern von verschiedener Beschaffenheit verfertigte. Dieser geschickte Künstler, der blos mit dem Erfolge seiner neuen Entdeckung, die 1760 bekannt wurde (29), beschäftigt war, hat uns von den Verhältnissen und von den Gestalten der Gläser, deren er sich bediente, keine Beschreibung gegeben. Die Gelehrten, die durch den Erfolg dieser neuen Methode aufgemuntert wurden, haben sich viele Mühe gegeben, sie mit Aufmerksamkeit zu untersuchen. Sie haben den Grund, worauf sie gebauet ist, untersucht und die Wirkungen berechnet; und wir haben davon sehr lesenswürdige Abhandlungen von Herrn Clairaut, (g) und ein sehr gelehrtes Werk des Herrn D'Alembert. (h)

(d) Pet. Borelli de Telescop. invent.
(e) Molineux, Dioptr. nouv.
(f) Kepleri Dioptric
(g) Mem. de l'Acad. des Sciences, 1756. 57. 62.
(h) Opufcul. mathemat. T. III. in 4.


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