§411
Abbildende Eigenschaft der flachen Spiegel.
Aber die Spiegel werfen nicht allein die Lichtstrahlen,
die auf ihre Oberfläche fallen, so zurück, dasz ihr Reflexionswinkel
ihrem Incidenzwinkel (7) gleich ist, sondern es wird
auch, wenn viele Lichtstrahlen von einem und eben dem selben Gegenstande
ausgehen, und auf die Oberfläche eines sehr glatten Spiegels fallen,
das Bild des Gegenstandes in eben der Entfernung hinter der Oberfläche
des Spiegels, unter einerley Grösze und nach eben der Lage, in Ansehung
des Auges des Zuschauers, abgebildet.
Ehe die Strahlen den Gegenstand abbilden, so gehen
sie von dem Gegenstande selbst auf das Glas, und von dem Glase kommen sie
bis in die Augen zurück. Sie haben also, wenn sie in die Augen gelangen,
eben die Stellung, eben die Neigung, eben die Stärke und eben die
Richtung, die sie haben würden, wenn sie wirklich aus dem Puncte und
aus der Entfernung, in welcher der Gegenstand jenseits des Spiegels zu
seyn scheint, herkämen. Folglich müssen sie ihn daselbst so vorstellen,
wie sie wirklich thun, und zwar um so vielmehr, da die Seele natürlicher
Weise die Gegenstände an das Ende der geraden Strahlen bringet, die
auf das Auge, oder demselben gegenüber fallen (a).
(a) Regnault, Entret. de Phys. T. III.
p. 173.
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