§421
Ob die Lichtstrahlen aus mehreren Strahlen zusammengesetzt
sind.
Als Newton diese Erscheinung mit Aufmerksamkeit
untersuchte, so glaubte er, dasz dieser Lichtbüschel aus Strahlen
zusammengesetzt wäre, wovon einige leichter gebrochen werden könnten,
als die andern, und das ein jeder von diesen Strahlen eine feste und bestimmte
Farbe bey sich führte. Die Versuche, die er darauf machte, diese Wahrheit
zu befestigen, bestätigten ihn immer mehr und mehr in dieser Meynung.
Ich will hier nur einen Theil der Versuche, die er in der Absicht machte,
wiederholen, nämlich diejenigen, die mir am bündigsten, und zu
gleicher Zeit am leichtesten zu bewerkstelligen zu seyn scheinen. Wer sich
weitläuftiger von dieser Theorie unterrichten will, kann das Werk
dieses berühmten Naturkündigers zu Rathe ziehen (a).
Wenn man den vorhergehenden Versuch wiederholet,
und das durch das erste Prisma gebrochene Lichte aufgefangen, und es durch
den Winkel des andern Prisma gegangen ist, welches einen Fusz von dem ersten
entfernt, aber in einer verticalen Lage, das ist, so steht, dasz seine
Axe die Axe des ersten Prisma in geraden Winkeln durchschneidet, so werden
die durch dieses zweyte Prisma gebrochenen Strahlen alsdenn sich abwenden,
und in einer schiefen Lage eine der ersten ähnliche Erscheinung mahlen.
Da diese beyden Prismata sich nach rechten Winkeln
durchschneiden, so werde die durch das zweyte verursachten Brechungen die
Strahlen, welche das erste vo unten hinauf gewendet hatte, von der Rechten
zur Linken werfen. Allein dasjenige, was die eben angeführte Theorie
bestätigt, ist, dasz die Farben noch eben dieselben sind, und eben
dieselbe Ordnung, wie vorher, untereinander behalten. Dieses beweiset,
dasz jeder Strahl seinen vorhergen Grad der Brechung behält, und in
uns die Empfindung eben derselben Farbe erreget.
(a) Traite d'Optique
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