§428
Woher die Farben an den Körpern rühret.
  Die Farben, welche wir in den gefärbten Körpern bemerken, gründen sich auf eine besondere Configuration zwischen den Theilchen, die sie ausmachen, die sie in den Stand setzet, diesen oder jenen gefärbten Strahl zurückzuwerfen, oder überzutragen, und die andern zu verschlingen, oder sie zurückzuwerfen, oder so schwach übertragen dasz die Empfindung, die dadurch entsteht, für nichts geachtet werden musz.
  Nach dem Newton bestehet diese Einrichtung in den verschiedenen Graden der Dünnheit der kleinen Blättchen oder Theilchen, welche die Oberfläche der Körper ausmachen, und er hat seine Nachforschungen sogar so weit getrieben, dasz er auch auf eine so wahrscheinliche als sinnreiche Art die verschiedenen Grade der Dünnheit bestimmt hat, welche die Bestandtheile der Oberfläche haben müssen, um diesen oder jenen Strahl zurückzuwerfen, oder überzutragen, oder zu machen, dasz ein Körper, der durch die Zurückprallung, oder durch seine Durchsichtigkeit gesehen wird, uns vielmehr von dieser Farbe, als von einer jeden andern zu seyn scheinet.
  Er machte diese Berechnung nach folgenden Versuche (a). Er legte zwey Objectivgläser, davon das eine halb flach und halb erhaben (14), und zu einem Telescop von 14 Fusz bequem, das andere aber auf beyden Seiten erhaben war (15), und sich zu einem Telescop von ungefähr 50 Fusz schickte, so auf einander, dasz die flache Oberfläche des einen einer von den erhabenen Oberflächendes andern entgegen stand. Indem er diese beyden Gläser gelinde zusammen drückte, bemerkte er an dem Orte ihrer Berührung einen kleinen zirkelförmigen weiszen Raum, der mit vieln Ringen umgeben war, die verschieden gefärbt, und durch weisze, oder vielmehr durchsichtige Zwischenräume von einander abgesondert waren. Indem er diese beyden Gläser auf eine schwarze Oberfläche legte, wurde der Mittelpunkt, an statt wie in dem ersten Falle, weisz und durchsichtigzu seyn schwarz, und die gefärbten Zirkel blieben, wie vorher.
  In diesen beyden Fällen bleibt ein kleiner zirkelförmiger Luftstreif übrig, der zwischen den beyden Gläsern aufgefangen wird. Dieser Luftstreif verdünnet sich in Ansehung der Erhabenheit der beyden Objectivgläser, so wie er sich ihrer Berührung nähert, oder er verschwindet ganz und gar. Daher erscheinet, wenn diese beyden Gläser auf eine schwarze Oberfläche gelegt werden, in dem Mittelpuncte, das ist, in dem Puncte ihrer Berührung, ein schwarzer zirkelförmiger Raum; weil das Licht, wenn es an diesem Orte durch einen hermogenen (18) Zwischenkörper geht, jenseits desselben einen schwarzen und dunklen Grund findet, der es nicht wieder zurückschickt; die Empfindung des schwarzen aber sich auf die Beraubung der Lichtstrahlen gründet, und diese Beraubung allezeit statt findet, wenn die Strahlen mit zurück geworfen, oder weiter gebracht werden.
  Diese Vorstellung wird dadurch bestätigt, dasz eben dieser Raum durchsichtig und helle zu seyn scheinet, wenn man die schwarze Oberfläche weglässet, und alsdann durch die Dicke dieser beyden Gläser siehet.
  Man wird rings um diesen zirkelförmigen Raum verschiedene gefärbte Zirkel gewahr. Nun hat der zwischen diesen Gläsern aufgefangene Luftstreif verschiedene Grade vo Dünnheit, welche immer abnehmen, bis an den Ort ihrer Berührung. Da also die Farben nach der Abwechslung dieses Streifens gleichfalls abwechseln, so hat Newton nicht ohne Grund gemuthmaszet, dasz die verschiedenen Farben, unter welchen die gefärbten Gegenstände sich unsern Augen zeigen, sich auf die verschiedenen Grade der Dünnheit der Bestandtheilchen ihrer Oberflächen gründen.

(a) Optiq. 1. 2. par. 1. IV. observ.


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