§429
Grundsätze der Färbekunst.
Es mag nun die Beschaffenheit der Bestandtheilchen
der Oberflächen, die die Körper geschickt machet, diesen oder
jenen Strahl zurückwerfen, oder durchzulassen, und folglich mehr unter
dieser, als unter einer andern Farbe zu erscheinen, in den verschiedenen
Graden der Dünnheit dieser Theilchen bestehen, oder sie mag sich auf
irgend eine andere Verbindung derselben gründen, so ist es gleichwohl
gewisz, dasz man die Bestandtheilchen der Oberflächen der gefärbten
Körper nicht verändern kann, ohne ihre Farben zu verändern.
Um dasjenige, was ich in Ansehung der gefärbten
Körper anzeigen will, mit einiger Ordnung vorzutragen, so betrachte
man folgende Hauptpuncte, die ich durch die Erfahrung festsetzen und beweisen
will.
1. Man kann eine bestimmte Farbe hervorbringen,
wenn man zwey flüszige Dinge, die jedes besonders keine Farbe haben,
und sehr helle sind, mit einander vermischet.
2. Man kann durch den Zusaz eines ungefärbten
flüszigen Körpers eine Farbe in eine ander verändern.
3. Zwey gefärbte flüszige Körper
nehmen, wenn sie mit einander verbunden werden, eine Farbe an, die von
den Farben, welche ein jeder von diesen Farben vor der Vermischung hatte,
verschieden ist.
4. Man kann den gefärbten flüszigen
Dingen ihre Farbe benehmen, wenn man sie mit ungefärbten flüszigen
Körpern vermischet, und man kann die erste Farbe durch den Zusatz
eines ungefärbten flüszigen Körpers wieder herstellen.
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