§433
Einflusz der Luft in die Farbe der Körper.
  Alles, was die Lage und Stellung der Bestandtheile der vermischten Dinge verändern kann, wird sie geschickt machen, verschiedene Strahlen zurückzuwerfen, und wird folglich ihre Farbe verändern, nachdem die Veränderung, welche in der Stellung ihrer Theilchen vorgegangen ist, mehr oder weniger grosz ist.
  Die Berührung der Luft und des Feuers bringet alle Tage dergleichen Veränderungen hervor, worauf der gemeine Haufe nicht aufmerksam ist, welche aber ein Naturkündiger zu bewundern nicht unterlassen kann. Die Berührung des ersten dieser beyden flüszigen Dinge müssen wir der grünen Farbe zuschreiben, welche die Wiesen dem Gesichte so reizend macht. Denn das Gras hat von Natur keine Farbe vorzüglich von der andern. Ohne die Berührung der Luft, der es beständig ausgesetzt ist, würden wir alles Gras von einer Weisze sehen, die das Gesicht ermüden würde. Wir haben hiervon ein Beyspiel in der Cultur unserer Gärten. Die Cichorie, z.B. welche in freyer Luft wächst, treibt Blätter, die allezeit grün sind. Diejenige aber, welche auf Beeten oder unter Glocken wächst, wird niemals grün. Sie behält diese Weisze, die sie bis auf unsere Tafeln mitbringet.
  Man findet an den öst- und westlichen Küsten von England eine Art von Muschel, die in Ansehung der Farbe, die sie uns giebt, unter den Namen der Purpurmuschel bekannt ist. Diese Muschel gleicht sehr dem Murex, oder Buxinum, aus welchem die Alten diese Farbe zogen. Wenn man diese Muschel zerbrochen, und den Fisch herausgenommen hat, so siehet man an dem Kopfe dieses Thieres eine in die Quere laufende Ader. Wenn man diese Ader aufmachet, und den Saft auf weisze Leinewand drücket, so sieht die Farbe sehr schön grün aus. Wenn man sie aber in die Sonne legt, so wird sie in wenig Minuten dunkelgrün, darauf Meergrün, bläulich, roth purpurfärbig und wenn man sie eine oder zwo Stunden in der Sonne lässet, so bekommt sie eine sehr schöne feste Purpurfarbe.


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