Im Folgenden soll in erster Linie die eigentliche Fabrikation, der Großbetrieb, sodann die Kleinindustrie und schließlich die Tätigkeit des Optikers in Kürze besprochen werden.
Die Fabrikation zerfällt in die eigentliche optische, die Herstellung der Brillengläser, und in die mechanische, die Herstellung der Fassungen; an diese gliedert sich die Anfertigung der Nebenartikel, wie Etuis, Schnüre, etc., an, die jedoch begreiflicherweise hier nicht näher erörtert werden soll.
Die vielen Prozesse, die ein Brillenglas durchlaufen muss, ehe es als gebrauchsfertig verpackt wird, drängen dem unbefangenen Beobachter die Ansicht auf, daß nur eine gewaltige Massenherstellung es ermöglichen kann, ein Brillenglas so billig zu liefern. Es wird mir im Folgendem nicht möglich sein, mit Rücksicht auf die wünschenswerte Kürze auf die kleineren Details der Fabrikation einzugehen, sondern ich werde nur die wichtigsten Gesichtspunkte hervorheben können.
Material der Gläser. – Während das sogenannte „optische“ Glas Präzisionszwecken dient – es stammt zumeist aus Jena (Glashütte Schott und Genossen), - werden Brillengläser fast ausschließlich aus anderem Material, aus Tafel- oder Spiegelglas hergestellt; Optiker nennen es häufig Rathenower „Kristallglas“. Das Glas ist ein doppelt geschmolzenes, völlig homogenes und farbloses Crownglas (Alkaliglas) mit dem Brechungsindex 1,5236 (absolut konstant dürfte derselbe übrigens nicht sein). Namentlich auf peinlichste Farblosigkeit wird besonderer Wert gelegt; billigere Gläsersorten anderer Herkunft weisen gewöhnlich Farbentöne, zumal grünliche, auf.
Dieses Glas wird in fertigen Täfelchen von 42 auf 32 mm Größe aus der Hütte in Freden (Hann., Deutsche Spiegelglas-Aktien-Ges., Freden, der ich für freundliche Beantwortung einiger Fragen Dank schulde) bezogen. Die Täfelchen sind oval, kreisrund oder quadratisch und verschieden stark. Fehlerhafte Stellen sind schon beim Ausschneiden in der Hütte ausgemerzt worden.
Ehe die Täfelchen zur Verwendung kommen und mittels Sortiermaschinen, die auf einfachste Weise die Dicke des Glases entsprechend der später zu verleihenden Schärfe austasten, rasch sortiert werden, muß jede Tafel auf etwaige Schlieren, Streifen, Blasen, etc. zuvor geprüft werden; im Gegensatz zu optischem Glas, bei dem seitlich gelegene Blasen keinen Eintrag tun, muss das Brillenglas unbedingt blasenrein sein.
Das Vorschleifen. – Der 1. Akt der eigentlichen Fabrikation besteht im Vorschleifen jener Täfelchen, was je nach der Schärfe des zu schleifenden Glases mehr oder weniger dauert; schwache Gläser sind auf beiden Seiten in einer halben Minute vorgeschliffen.
Das Vorschleifen erfolgt immer mit der Hand; eine Maschine kann hierin niemals das fein ausgebildete Gefühl der Finger ersetzen. Das Glas wird mittels Daumen und Zeigefinger beider Hände gegen die der Schärfe des Glases entsprechend, aber entgegengesetzt gekrümmte, schnell rotierende Schleifschale aus Gußeisen so lange fest aufgedrückt bis der Arbeiter am fehlenden Widerstand erkennt, dass das Glas die Krümmung der Schleifschale angenommen hat – eine sehr mühsame Beschäftigung. Darauf wir das Glas gedreht und die andere Fläche nach Bedarf ebenso vorgeschliffen.
Als Reibmaterial wird feuchter, verschieden feiner Sand verwendet, wie er in richtiger Güte in Havel gewonnen wird; dem Sand wird unter Umständen Feuersteinkorn beigegeben. Natürlich müssen die Schalen oft kontrolliert werden, ob die Krümmung noch richtig geblieben ist, was mittels „Lehren“ geschieht.
Das fertig vorgeschliffene Glas zeigt eine undurchsichtige, körnige Oberfläche, es sieht ungefähr wie ein grauer Kieselstein aus. Im übrigen sind die Gläser nur annähernd zentrisch vorgeschliffen; wird der Fehler, der in der Methode liegt, zu groß, so gibt es Gläser II. Qualität, doch handelt es sich nur um winzig kleine Abweichungen.
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