Muschelgläser.

  Man unterscheidet zwei Arten von Muschelgläsern, geblasene oder ungeschliffene (zuweilen fälschlich auch gepresste genannt) und geschliffene. Es gibt auch sog. geschliffene Muschelgläser, bei denen jedoch nur die eine Seite geschliffen wird (in Süd-Deutschland).

  Die ungeschliffenen Muschelgläser werden so hergestellt, daß das Glas zu einer größeren Kugel (Radius zwischen 75-100 mm) geblasen und dann in zwei Hälften zerschnitten wird; aus diesen werden dann die einzelnen Scheibengrößen gewonnen. Diese Art von Gläsern fertigt man in Rathenow überhaupt nicht an.

  Bei der Herstellung der geschliffenen Muschelgläser wir das Glastäfelchen auf eine Muffel (etwa von der Form einer Austermuschel) gelegt und diese in Glühhitze gebracht, so daß sich das Glas allmählich in die Form hineinsenkt. Hierauf wird das Glas genau so wie jedes andere vorgeschliffen, geglättet und poliert.

  Es liegt ohne Weiteres auf der Hand, daß nur ein geschliffenes Muschelglas den Ansprüchen genügen kann, die man an ein Brillenglas stellen muß. Das geblasene Muschelglas wird niemals fehlerfrei sein, sondern Blasen, Schlieren und ungleich dicke Stellen etc., aufweisen, was gewisse schwerwiegende Nachteile mit sich bringt. Es ist daher der reine Zufall, wenn diese Fehler so klein ausfallen, daß sie sich nicht jedem Laien in augenfälliger Größe bemerkbar machen. Trotz dieser Mängel ist es ein offenes Geheimnis, daß die weitaus größte Mehrzahl aller im Handel befindlichen Muschelgläser geblasene sind, obwohl die geschliffenen nur unwesentlich teurer sind.


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