Zentrierung und Facettierung der Gläser.

  Die bisher geschilderten Prozeduren lieferten nur das rohe Brillenglas, in der Art wie es der Optiker in der Regel vom Fabrikanten bezieht; um das Glas jedoch zum Einsetzen in die Fassung gebrauchsfähig zu machen, muß das Glas die richtige Form und Größe erhalten und außerdem der rohe Rand durch eine Facette ersetzt werden.

  Die ältere Methode, wie sie beim Einschleifen der Gläser wohl allgemein noch bei den Optikern üblich ist, besteht darin, daß die Größenschablone, in diesem Fall der Augenrand, einfach auf das rohe, in keiner Weise zentrierte Glas gelegt wird – schätzungsweise und da das Glas nicht zentriert war, zumeist fälschlicherweise Mitte auf Mitte; nun wird zuweilen mittels Ritzstahls die Grenze des Augenrands umzeichnet, zuweilen werden sogleich mit einer Zange (Bröckelzange) die überstehenden Ränder des Glases abgebröckelt. Unter fortgesetztem Abspülen mit Wasser schleift man danach die Facette auf einem Sandstein – diese Schleifsteine stammen zumeist aus Schweden oder Bornholm – ein; das nachfließende Wasser soll verhindern, daß das Glas Risse oder Schrammen von den Spänen bekommt, was jedoch nicht immer zu verhüten ist noch verhütet wird. Auch wird die Facette zuweilen mangelhaft angefertigt, d. h. es fehlen Stücke.

  Die neueren Arbeitsmethoden der Fabrikanten unterscheiden sich vorteilhaft von der älteren dadurch, daß vor allem der optische Mittelpunkt des zu schneidenden Glases vor dem Schneiden ermittelt und fixiert wird; man sollte meinen, eine selbstverständliche Forderung. Leider pflegt dies auch nur bei Gläsern erster Qualität und kalibrierten Gläsern zu geschehen.

  Der höchst einfache Zentrierapparat funktioniert folgendermaßen: Der Arbeiter hält das Glas vor einem kreuzartigen Ausschnitt und betrachtet durch ein kleines Loch (Diopter) ein zweites gezeichnetes Kreuz, das sich auf der runden Scheibe in einer zu wechselnden Entfernung befindet; der vertikale und horizontale Anteil dieses Kreuzes, der nicht durch das Glas gesehen, ist seitlich verschoben, sofern der optische Mittelpunkt des Glases nicht auf den Kreuzungspunkt der beiden durch das Glas gesehenen Geraden fällt. Das Glas wird so lange gerückt, bis dies zutrifft, worauf der optische Mittelpunkt mit einer Füllfeder markiert wird. Die ganze Zentrierung eines Glases mit Einlegen der Gläser zum Trocknen erfordert kaum mehr als 15 Sekunden.

  An einem ähnlichen Apparat werden in derselben Weise auch die Axen der Cylinder markiert.

  Das mit dem Tintenpunkt versehene Glas kommt dann behufs Ausschneidens der Größe auf die Mitte einer exzentrisch arbeitenden Ovalschneidemaschine, um gegen den Diamanten derselben herumgeführt zu werden. Kalibrierte Gläser werden gruppenweise durch automatisch arbeitende Facettiermaschinen auf die richtige Kalibergröße, Form und Facette hergestellt.

  Die Facetten werden entweder, wie eben geschildert, automatisch (flache Facetten) oder mit der Hand auf amerikanischen Karborundsteinen mit dem ihnen zukommenden Winkel angeschliffen. Flachrandige Gläser, die vorher auf Sandstein vorgearbeitet wurden, werden auch auf einem feiner gekörnten Stein französischen Ursprungs in ähnlicher Weise bearbeitet, doch macht dies fast nur der Kleinfabrikant. Die Nute der Nutengläser wird durch Einschleifen mittels einer im feinsten Schmirgel laufenden Kupferscheibe, neuerdings durch einen spitz zugedrehten kleinen Kaborundstein erzielt. Diese Nutenscheibe ist auch an manchen Schleifsteinen in optischen Werkstätten angebracht.

  Die durchbohrten Gläser (Patentgläser) werden mit einer Diamantbohrmaschine von der einen, dann von der anderen Seite aus angebohrt und die Stelle mit einem Tropfen Terpentin zuvor bedeckt. Es gibt auch ähnliche Bohrmaschinen, die für den Handbetrieb eingerichtet sind.

  Alle genannten Maschinen und Werkzeuge, große und kleine, werden elektrisch betrieben, sowie die meisten Werkzeuge zur Herstellung von Fassungen.


HOME: Theorie und Praxis der Augengläser


Optiker Online!

Tel. +43 664 4320150
 email:webmaster@optiker.at
 
Copyright 2005 Harald Belyus