Im Großbetrieb ist nach amerikanischen Vorbild bei der Herstellung der Fassungen das Prinzip der Teilarbeit, wo nur angängig, durchgeführt; jeder einzelne Arbeiter hat jahraus jahrein das gleiche Pensum zu erledigen. Nur bei Gold- und Doublésachen sind die Arbeiter gelernte Leute, die jeder für sich die ganze Brille anzufertigen haben.
Aus dieser Arbeitsteilung geht notwendig hervor, daß jeder, auch noch so kleine Teil für sich hergestellt wird – fast immer geschieht dies maschinell – und erst dann die einzelnen Teile zusammengelötet bezw. an einander geschraubt werden. Je nach dem Material weichen natürlich die einzelnen Herstellungsarten wesentlich von einander ab. Stellen wir uns den Hergang bei einer Nickelbrille, dem häufigsten Material, in kurzen Zügen vor:
Der weiche, verschieden dicke, runde Nickeldraht wird zuerst in die richtige Dicke gezogen und dann mit einer Nute (Rille) versehen, welche der Form der aufzunehmenden Glasfacette entspricht (der Draht für den Steg wird andererseits flach gewalzt). Dieser genutete Draht wird dann von einem Arbeiter möglichst dicht, wie ein Faden um eine Spule, um einen verschieden großen, z. B. 3 auf 4 cm, ovalen Kupferstab von ca. 80 cm Länge gewickelt; der Stab wird dann erhitzt und mit einem einzigen Längsschnitt durchschneidet eine Maschine sämtliche Windungen des Drahtes. Es springen damit jedesmal an die 300 gleich große, ovale Ringe, die künftigen Augenränder, ab.
Der Nasensteg, anfangs derselbe runde Draht, wird, wie oben erwähnt, in die gewünschte flachere Form gewalzt und erhält in gehärtetem Zustand an besonderen Maschinen die jeweilige spezielle Form; auch lässt er sich, solange der Nickel noch weicher ist, mittels einer Feile und Zange oder auch an kleineren Werkzeugen nach Wunsch biegen, nur dauert eine solche Prozedur unverhältnismäßig länger und wird nur im Kleinbetrieb ausgeführt.
Klötze, Backen, Charniere, Schräubchen, Plättchen, Häkchen, kurz, alle kleinere Teile werden an eigens konstruierten Fräs- und Stanzmaschinen hergestellt. Einen Begriff von der Leistungsfähigkeit solcher Werkzeuge erhält man, wenn man sieht, wie eine solche kleine Maschine fast ohne Bedienung 2000 Schräubchen in der Stunde liefert.
Die Federn werden durch sinnreiche Reduziermaschinen in der notwendigen Dicke gehärtet, Chanierteile an Hämmermaschinen geformt. Auch das Spinnen der Federn übernehmen automatische Spinnmaschinen, die nach Art der auch in anderen Industrien üblichen Apparate arbeiten.
Dann werden die einzelnen Teile von besonderen Arbeitern zusammengelötet. Erst nachdem die ganze Brille im Rohen fertig gestellt ist, wird sie unter Zuhilfenahme von Trippel geschliffen und zum Schluß erhält sie durch Polieren mit Polierrot an rotierenden Filzscheiben den schönen Glanz.
Schildpatt, Gold und die anderen Materialien werden natürlich in vielen Punkten abweichend behandelt.
Wie man aus dieser kurzen Schilderung ersieht, erfordert die Massenherstellung von Gläsern und Fassungen, die allein in Betracht kommt, sofern die Produktion sich lohnen soll, einen gewaltigen Apparat an Maschinen. An einer Fabrik, die ich eingehend besichtigte, sind alleine 35 Motoren und Dynamomaschinen tätig, deren Kraft eine Dampfmaschine von 250 HP liefert.
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