Verbreitung der bifokalen Gläser.

  In Deutschland wird im Gegensatz zu Amerika leider nur selten der Versuch gemacht, diese Gläser zu empfehlen oder einzuführen. Der Deutsche ist mehr konservativer Natur, er hat es auch nicht so eilig wie der Amerikaner, darum zieht er einen Leseklemmer oder eine zweite Lesebrille in solchen Fällen vor. In Amerika jedoch sind bifokale Gläser nichts Ungewöhnliches.

  Den amerikanischen Augenärzten gelingt es nämlich weit leichter, ihre Patienten von der Notwendigkeit bezw. Annehmlichkeit zu überzeugen, auch geringere Grade von Hypermetropie (Hypermetropie scheint drüben an sich häufiger sein als hier) und Astigmatismus dauernd auskorrigieren zu lassen; auch sind dort die Laien der Ansicht, daß man im Kampf ums Dasein gar nicht gut genug sehen kann. Daher der Wunsch, selbst Fehler von ¼ oder 1/8 D. durch Gläser sich bessern zu lassen – eine Sucht, die man bereits mit dem Ausdruck „Americanitis“ bespöttelt hat. In Deutschland fällt man dagegen in das andere Extrem; das Publikum bequemt sich hier erst dann zu einer Brille, wenn die „Sehleistung“ (die Sehkraft des unbewaffneten Auges) um ein Drittel, ½ oder noch mehr abgenommen hat; wegen Hypermetropie oder eines astigmatismus unter 1½ D. trägt hier seltener jemand dauernd ein Glas. Daher ist es auch erklärlich, daß ältere Leute in Deutschland meistens mit der Nahbrille alleine auskommen – beim Fernsehen sind sie eben genügsamer und anderer Denkungsart als der Amerikaner.


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