Kurzsichtigkeit: Ärzte warnen vor Operation
Die chirurgische Behebung von Fehlsichtigkeit birgt sehr hohe Risken

  "Ich würde mir an einem gesunden Organ nicht herumschneiden lassen. Und nicht selten ist die Hornhaut das einzig gesunde in einem kurzsichtigen Auge." Univ.-Prof. Heinz Freyler, Chef der Wiener Universitäts-Augenklinik, nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Abgesehen hat es der renommierte Augenarzt auf geschäftstüchtige Kollegen, die ihren Patienten das Ende aller Augen-Probleme durch einen operativen Eingriff versprechen.
  Besonders euphorische Medienberichte über die angeblich so tollen Erfolge der Laser-Chirurgie gegen Kurzsichtigkeit haben Freyler und Kollegen veranlaßt, ihrerseits berichtigend an die Öffentlichkeit zu treten.

Komplikation: Narben in der Hornhaut

  So verweist etwa Univ.-Prof. Christian Skorpik auf die nach wie vor unklaren Ergebnisse vieler Operationsverfahren. Allen diesen Methoden gemeinsam ist das Prinzip, Fehlsichtigkeit durch chirurgische Veränderungen der Hornhaut korrigieren zu wollen. Je nach Technik werden Schichten abgetragen oder Einschnitte gemacht. Seit ihren Anfängen in den siebziger Jahren hat sich diese Operationstechnik verändert, wurde ständig überarbeitet - nicht zuletzt weil die Chirurgen mit den Ergebnissen nicht zufrieden waren. Denn ab einer Kurzsichtigkeit von 6 Dioptrien kommt es vermehrt zu Narbenbildung und oft nach Jahren wieder zur Verschlechterung des Sehvermögens.
  Um diese Ergebnisse zu verbessern, wurde Anfang der neunziger Jahre die LASIK (Laser in situ-Keratomileusis) entwickelt. Univ.-Prof. Walter Göttinger von der Innsbrucker Augenklinik entdeckt da seinen Hang zur Altphilologie:"Keratomileusis heißt wörtlich Hornhautschnitzelei, und das sagt eigentlich alles. Selbst die Erfinder der Methode geben die Fehlerquote mit mehr als 11 Prozent an!" An seiner Klinik führt Göttinger zwar Operationen zur Behebung von Kurzsichtigkeit durch ("wenn der Patient das umbedingt will und medizinisch nichts dagegenspricht"), hält diese aber eigentlich für nicht notwendig. Der Augenarzt ist übriges selbst zufriedener Brillenträger.
  Ein Grund, die Operation durchzuführen, ist seine Angst vor dem boomenden Operationstourismus. "Die Augenärzte werden täglich mit der Forderung konfrontiert, Fehlsichtigkeit mit einem kleinen Schnitt zu beheben", weiß auch der Wiener Augenarzt Dr. Paul Drobec. Wenn der Arzt seinem Patienten erklärt, daß das so einfach nicht geht, weicht dieser nicht selten in ein Land (zumeist Rußland) aus, wo man in spezialisierten Kliniken und gegen reichlich Geld weniger Bedenken zeigt. Die Folgen können bis zur Erblindung reichen.


Die Operations-Methoden
 Excimer Laser Technik:
Mit dem Laser wird eine genau berechnete Masse der Hornhaut abgetragen und so Optik und Gestalt des Auges verändert.
 LASIK: 
Dabei wird vor der Laser-Behandlung ein vorbereitender Schnitt mit einer Art "Hornhauthobel" geführt.
 Keratektomie: 
Es werden schmale, keilförmige Schnitte gemacht, um die Brechkraft des Auges zu verändern.
 Keratotomie:
Die Hornhaut wird eingeschnitten um eine zu starke Krümmung zu entspannen.
 Lamelläre Keratoplastik:
Schichtweises entfernen der Hornhaut mit anschließender Transplantation.
Alle diese Methoden sind nicht einfach und sollten daher nur von erfahrenen Mikrochirurgen an einer bestens ausgerüsteten Klinik durchgeführt werden.

Bezugsquelle: KURIER, Gesundheit, Ausgabe vom 13.Mai 1997

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