Schattenspiel Schattenspiele im All
11. August 1999: "Wenn der Mond die Sonne verdeckt"

Die totale Sonnenfinsternis ist ein Ereignis, das nur selten zu beobachten ist! Bei Neumonden, die sich nahe der Erdbahnebene ereignen, verdeckt der Mond während seines Erdumlaufes für kurze Zeit die Sonne, wird von hinten beleuchtet und wirft einen Schatten auf die Erde.

Eine totale Sonnenfinsternis ist wohl das imposanteste astronomische Ereignis, das man erleben kann. Das Interesse, die Schattenspiele zu beobachten, ist groß - viele Berufs- und Amateurastronomen reisen weit um die Welt um sie zu erleben, zu beobachten und zu fotografieren. Am 11. August 1999 zieht solch ein Naturschauspiel auf einem schmalen Streifen quer durch Europa. ÖsterreichVon Frankreich kommend, den Südwesten Deutschland streifend nach Österreich und dann weiter nach Osteuropa läßt der Mond für kurze Zeit den Tag zur Nacht werden. Ab etwa 11:10  wird entlang einer Linie, die knapp südlich von Gmunden über Pinkafeld verläuft, für 2 Minuten und 20 Sekunden lang "Nacht“. Merkur, Venus, Jupiter und Saturn sowie die hellsten Sterne sind dann sichtbar, rund um die vom Mond völlig verdeckte Sonne ist nur eine Korona, ein schmaler silbergrüner Ring bestehend aus einem Gas geringer Dichte und einer Temperatur von etwa +5.500°C. Der Mond wird bei diesem Naturschauspiel von hinten beleuchtet und bildet einen Schatten auf die Erde. Dieser Schatten bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit über die Erdoberfläche. Nach einer Stunde und dreißig Minuten wird die Sonne wieder vom Mond komplett freigegeben.

Kernschatten
Sonnenfinsternis schematisch, nicht maßstabsgetreu

Nur wer sich im Kernschatten befindet kann die Sonnenfinsternis total miterleben. Außerhalb des Kernschattens erlebt man nur eine "partielle Sonnenfinsternis". Hamburg erlebt zum Beispiel nur eine solche partielle Sonnenfinsternis. Dort wird nur 85% der Sonne vom Mond verdeckt.

Sonnenfinsternis

Die letzte, in Österreich beobachtbare Sonnenfinsternis ereignete sich im Jahre 1842, das nächste Mal wird die Sonne erst 2081 wieder völlig im Schatten des Neumondes stehen.
 

Nie ungeschützt direkt in die Sonne schauen!

Die Beobachtung einer Sonnenfinsternis sollte niemals ohne zuverlässigen Schutz für die Augen erfolgen. Selbst Sonnenbrillen mit 100%igem UV-Schutz bieten zu geringen Schutz. Hausmittel wie mehrere übereinander gelegte Sonnenbrillen oder geschwärzte Platten bieten keine ausreichende Schutzwirkung. In den USA erblindeten nach der Beobachtung einer  Sonnenfinsternis ohne ausreichenden Schutz offiziell 145 Personen, da das Auge bei der Beobachtung wie ein Brennglas auf der empfindlichen Netzhaut fungiert.

Das Ergebnis, ein Verlust der Sehfähigkeit, kann je nach Stärke der Schädigung, zeitlich begrenzt oder dauerhaft sein. Wenn man ohne sicheren Schutz in die Sonne blickt, kann die Netzhaut fotochemisch geschädigt und in Folge einer Verbrennung funktionsuntauglich werden. Die Gefahr für das Sehvermögen ist, da solche Netzhautverletzungen ohne jegliches Schmerzempfinden passieren, relativ hoch. Sogar wenn 99% der Sonne während der partiellen Phase vom Mond verdeckt ist, kann der restliche Teil der Sonne Netzhautschäden am ungeschützten Auge hervorrufen, obwohl die Lichtverhältnisse in dieser Phase mit der Dämmerung vergleichbar sind.

Empfehlenswert ist die Verwendung einer eigenen "Sonnen-Sicht-Brille", wie von der Firma Zeiss entwickelt. Diese Brille sorgt für eine "ungetrübte Beobachtung ohne Folgen".

Schutzbrille

Wichtig ist, daß auch bei der Beobachtung mit Feldstechern und Fernrohren größte Vorsicht geboten ist. Durch die Konzentrierung der Sonnenstrahlen mittels der Linsensysteme optischer Vergrößerungsapparate (auch Fotoapparate mit Teleobjektiven und Teleskope) wird die Energieeinwirkung sogar noch verstärkt. Ein spezieller Filter schützt die Augen vor Schäden.

Die Phasen der Sonnenfinsternis

Astronomen sprechen von 4 Kontakten. Beim 1. Kontakt kommt die schwarze Mondscheibe von Westen und berührt den äußeren Sonnenrand. Wenig später sieht man eine kleine Einbuchtung am Sonnenrand, der Mond beginnt sich vor die gleissend helle Sonne zu schieben. Allmählich wird der Himmel immer dunkler - es wird bis zu 4-5°C kühler. Die Umwelt reagiert. Blüten schließen ihre Knospen, winzige Sonnensicheln bedecken den Boden dort, wo die restlichen Strahlen des Sonnenlichts durch Blätter und Äste scheinen - eine Folge des Lochblendeffektes (Camera obscura). Die Tiere werden unruhig, Vögel suchen ihre Nester oder versstecken sich, nachtaktive Tiere wie Fledermäuse und Nachtfalter werden aktiv.
 
Kontakt

Beim sogenannten zweiten Kontakt ist die Sonne nun erstmals komplett vom Mond verdeckt. Kurz vor der totalen Sonnenfinsternis können aufmerksame Beobachter aus westlicher Richtung das Heranrasen des Mondschattens sehen! Während der Totalität leuchtet der Strahlenkranz der Sonnenkorona um die Mondscheibe.

Nach etwa 2 Minuten und 20 Sekunden ist die Totalität zu Ende. Nun findet der 3. Kontakt statt. Die Sonne wird dabei gerade noch komplett vom Mond verdeckt. Kurz darauf kommt ein heller Punkt am Westrand der Sonne zum Vorschein. Man sieht wieder eine Sonnensichel am noch tiefblauen Himmel. Der Mond gibt nun langsam die Sonne wieder frei. Letztendlich kommt es zum 4. Kontakt, bei dem ebenso wie beim 1. Kontakt der äußere Sonnenrand vom Mond berührt wird. Danach wird die Sonne wieder vom Mond frei gegeben.

Die nächste Sonnenfinsternis in Österreich findet erst am 03. September 2081 statt!

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