Das Auge unterschätzt Geschwindigkeiten in der Dämmerung

Laut einer im April 1999 veröffentlichten Studie der Universitätsklinik Tübingen unterschätzt das Auge Geschwindigkeiten in der Dämmerung und in der Nacht. Die Autoren untersuchten dabei die Rezeptoren im menschlichen Auge und kamen dabei zum Ergebnis, daß die Bewegung eines Objektes um 30 Prozent geringer empfunden wird als sie tatsächlich beträgt.

In der menschlichen Netzhaut sind etwa 110 Millionen Stäbchen eingebettet. Sie sind vornehmlich für das Sehen bei Dämmerung und in der Nacht zuständig. Für das Scharf- und Farbensehen sind dagegen die ebenfalls in der Netzhaut liegenden sechs Millionen Zapfen zuständig.

"Die unterschiedliche Arbeitsweise der Rezeptoren kann besonders im nächtlichen Straßenverkehr zum Problem werden", meinen die Forscher. "Autofahrer müssen bei Nacht ständig zwischen Zapfen- und Stäbchensehen wechseln. Die Zapfenrezeptoren erfassen den Bereich des Scheinwerferkegels, die Stäbchen Bereiche im Dunkel. Durch die besondere Verarbeitung im Auges sei die fehlerhafte Schätzung von Geschwindigkeiten praktisch vorprogrammiert", warnen die Forscher. "Autofahrer müssten diesen besonderen Effekt berücksichtigen. Dies gelte auch für Berufe, die bei wechselnden Helligkeiten bewegte Objekte erkennen müssen."

Quelle: Universitaetsklinikum Tübingen, 7.4.99
(in "Nature" vom 8.4.99)


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